Kielbolzen erfordern Fingerspitzengefühle

7. März 2016 - 8:05

Alte Bootsbautechniken vor dem Vergessen bewahren. Holzboote und Kiele: Wie kommen sie zusammen? Es gibt mehrere Methoden, aber alle können problematisch sein.

Von Jörn Niederländer. Operationen am Unterleib des Holzbootes zählen zu den handwerklich anspruchsvollsten und kostspieligsten Arbeiten bei der Reparatur oder Restaurierung einer Yacht. Handelt es sich bei dem Patienten um ein Segelboot mit Ballastkiel, steht am Anfang aller Maßnahmen häufig die Demontage des Ballastes vom Bootsrumpf. Der Ansatz, das Boot per Kran vom Ballast zu heben, nachdem man die Bolzenmuttern gelöst hat, scheint zunächst eine einfache Lösung zu sein. Doch selbst wenn die Verbände im Bereich der Bolzenlöcher schon stark verrottet und zersetzt sind, können die Kielbolzen auf ihrem langen Weg durch Bodenwrangen, Kiel und Totholz derart verkanten, dass der Ballast sich nur noch in einer unendlich mühevollen Prozedur entfernen lässt. Am Ende stellt man häufig fest, dass die aus dem Ballast herausragenden Bolzen keineswegs alle genau in die gleiche Richtung weisen und senkrecht zur KWL stehen, sonder mehr oder weniger von diesem gedachten Idealfall abweichen und somit gar nicht ungehindert herausrutschen konnten (Fotos 1 bis 3). Die Aussicht auf die gleiche, mühselige Prozedur in umgekehrter Reihenfolge nach Abschluss der Reparaturarbeiten legt die Frage nahe, wie es denn beim Neubau einer solchen Kielyacht gemacht wurde.