Die Dampfkiste der Bootsbauer

2. Juni 2016 - 8:06
Heißer Dampf und Hitze werden im Bootsbau fast nur noch bei Reparaturen von alten Holzbooten genutzt

Alte Bootsbautechniken vor dem Vergessen bewahren. Das Biegen von Holz unter Zuhilfenahme von Wärme war im Bootsbau beim Herstellen von Rümpfen ein weitverbreitetes Verfahren. Von Jörn Niederländer. Das Aufkommen wasserfester Leime hat das Biegen von Bauteilen des Holzbootes mittels Hitze weitgehend überflüssig gemacht. Es ist aus dem modernen Holzbootsbau fast vollständig verschwunden. Beim Reparieren und Restaurieren hat diese Methode aber immer noch einen hohen Stellenwert, sei es, weil man möglichst originalgetreu arbeiten
möchte, sei es, weil eine andere Methode einen höheren Zeitaufwand erwarten lässt. Dieser zweite Aspekt sollte, zumindest beim Herstellen von Spanten, nicht unterschätzt werden. Lamellierte Spanten mögen dauerhafter sein, jedoch sind gedämpfte und eingebogene Spanten vergleichsweise schneller hergestellt. Zum Bootsbau geeignet sind Eiche, Esche oder Ulme für die Spanten. Weniger geeignet für extreme Verformungen sind Mahagoni, Teak und alle Nadelhölzer, die jedoch allesamt für den Bereich der Außenhaut ausreichende plastische Eigenschaften besitzen. Die Holzfeuchte spielt eine gewichtige Rolle. Nasses Holz lässt sich gut biegen, die Hitze des Dampfes weicht die Holzfaser weiter auf und ermöglicht geradezu erstaunliche Verformungen. Leisten, die zu Spanten gebogen werden sollen, werden darum vor dem Dämpfen einige Tage gewässert.