Bundessieger im Praktischen Leistungswettbewerb

15. November 2021 - 13:52
Diesjähriger Bundessieger im Bootsbau: Florian Woll

Der diesjährige Bundessieger Florian Woll hat seine Ausbildung im Betrieb von Karsten Burwitz in Greifswald gemacht und überwiegend dort an den Schiffen im Museumshafen gearbeitet. Mit über 50 Schiffen ist der Museumshafen Greifswald der größte seiner Art in Deutschland und da gibt es natürlich immer eine Menge Arbeit. „Während meiner Ausbildung habe ich an vielen Restaurierungen mitgearbeitet. Das ist manchmal ganz schöne Knochenarbeit, wenn man mit 50 mm starken Eichenplanken, die gerade aus der Dampfkiste gekommen sind, über den Hof zum Kutter läuft um sie einzupassen oder, wenn man stundenlang Plankennähte kalfatert.“ Aber Florian Woll hat nicht nur an Haikuttern und Museumsschiffen gearbeitet, sondern auch an kleineren Booten, wie zum Beispiel an einem 15er Jollenkreuzer. „Da waren alle Planken im Unterwasserschiff weggegammelt und auch einige Spanten waren betroffen. Ich habe dann das U-Schiff mit Mahagoni neu aufgeplankt und einen Großteil der Spanten ersetzt“, berichtet der Bundessieger. Ihm hat an seiner Ausbildung gefallen, dass jedes Projekt ein Einzelstück ist. Immer fängt man mit seinen Überlegungen neu an, überlegt sich Lösungen, prüft die Machbarkeit und kalkuliert die Kosten. Stereotype Arbeiten hat er in seiner Ausbildung nicht kennengelernt. „Andere Azubis mussten immer Unterwasserschiff schleifen“, sagt er.
Als wir mit Florian Woll sprechen, macht er mit dem Campingbus Urlaub in Portugal. Nach der Lehre entspannen, etwas surfen, wandern und Freunde treffen – das klingt nach einem Plan.
Ab Dezember wird er den Winter über wieder in seinem Ausbildungsbetrieb arbeiten. Und wie geht es dann weiter? „ Wenn ich ein Stipendium bekomme, werde ich mich wohl zum Meisterkurs anmelden, denn als Geselle ist der Verdienst im Bootsbau zu schlecht. Bis dahin mache ich den Industriekletterschein. Den kann man für Arbeiten im Rigg gut gebrauchen. Vielleicht werde ich in diesem Zusammenhang auch noch professioneller Baumpfleger, dann hätte ich ein zweites Standbein.“ Wenn Florian Woll im Bootsbau bleibt, möchte er möglichst viel mit Holz und möglichst wenig mit GFK arbeiten. Und auf die typische Frage: „Warum haben Sie Bootsbau gelernt?“, kommt diese Antwort: „Ich dachte mir, wenn ich mit dem Surfbrett an den Küsten unterwegs bin, kann ich ebenso gut einen Beruf lernen, mit dem ich an diesen Küsten auch Geld verdienen kann“.
Bleibt die Hoffnung, dass der diesjährige Bundessieger dem Bootsbau erhalten bleibt.
Nur wenig Punkte hinter Florian Woll landete Tebbe Ahrends auf dem zweiten Platz. Er hat seine Ausbildung bei der Bootswerft H. Bültjer in Ditzum gemacht, die sich ebenfalls auf die Arbeit an alten Holzschiffen spezialisiert hat.
Wir gratulieren den beiden Bundessiegern und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.